Skippergemeinschaft

 

 


Klarierung in Häfen zwischen Port Said/Ägypten und
Port Victoria/Mahé Seychellen

 

Meine bis dato letzte Überführung (2007) in diesem Gebiet in war meine 6-te Reise zwischen dem Raum Europa Richtung Fernost (Thailand) bzw. Seychellen via Rotes Meer. Alles, was ich hier schreibe sind ausschließlich meine Erfahrungen. Derzeit aber rate ich vom Befahren des Golf v. Aden sowie der Routen Richtung Seychellen ***dringend*** ab. Hier müssen erst nachdrückliche Sicherheitsmassnahmen greifen. Ich jedenfalls habe alle Termine für entsprechende Überführungen bis incl. 2010 schon mal abgesagt.

 

Währungen:

 

Im gesamten arabischen Raum gilt der US-Dollar, der Euro wird zwar geschätzt aus nachvollziehbaren Gründen, aber derzeit noch unter Wert getauscht. Viele kleine Dollarscheine mitnehmen: Keine Bank gibt Dollars zurück, wenn nur ein Teil des Wertes einer großen Banknote gewechselt werden soll. Die Geldausgabe an Kartenautomaten erfolgt in Local Money zu erheblichen Kosten. In Asáb/Eritrea gibt es keine Kartenautomaten.

 

Umgang:

 

„Guten Tag“ heißt: „Salám aleikum“, die Antwort darauf heißt: „Aleikum es salám“. Das „ei“ aussprechen wie den ei-Laut in „mayday“. Und „danke“ heißt „schokrán“. Soviel arabisch muß einfach sein !!

 

Verhalten:

 

Ein Landgang an den Küsten, sei es auch nur zum Schwimmen oder Tauchen, ohne vorherige vollständige Einklarierung wird im Fall der Entdeckung ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Es gibt dann Festnahme, Festsetzung, Gerichtsverhandlung sowie eine hohe Strafe.

Auch die Kosten der Gerichtsverhandlung sind hoch: Es werden zur Verhandlung zusätzlich Verteidiger, Schreiber und Dolmetscher bestimmt. Die Kosten dafür zahlt der Verurteilte.

Ebenso ist vom Befahren gesperrter Zonen dringend abzuraten. Hier handelt dann das Militär nach eigenen Maßgaben.


Klarierung in Pt. Said:

 

Flaggen: Nationale, Gastlandsflagge, Flagge Q.

Klarierung nur mit Agenten.
Selber rumbasteln ist aussichtslos !! Für Klarierung und Abfertigung zuständig ist die:

 

Felix Maritime Agency
Nagib Latif (R)

Mister Moxen
Tel : 002 066 3333 132
Fax : 002 066 3333 510
Mobil : 002 012 211 9365
E-mail : felix@felix-eg.com
Web :
www.felix-eg.com
 

Die Anmeldung bei Felix erfolgt am besten per e-mail in folgender Form:

 

----- Original Message -----
From: " <e-mailadresse>
To: <
felix@felix-eg.com>
Sent: Wednesday, April 11, 2007 4:45 PM
Subject: Passage Pt. Said - Suez

From:
Skippername, Skipper of the sailing yacht "Name, Flag"

To: Felix Maritime Agency, Port Said

Announcement

Transit of Suezcanal for Sailing Yacht “Name” from Port Said to Suez.
I want to get Your services for full clearence, water and diesel included.

Dear Mister Latif,

dear Mister Moxen,

Date of arrival in Port Said: the 15.th of april.
Date of depart to Suez: as soon as possible.

The sailing Yacht:
 

Name:
Flag:
Type, Length:
Beam:
Draught:

When I stay in the approaches to Port Said Harbour, I will contact you.

Additional I would like to get National Flags for: Seychelles, Yemen, Sudan, Eritrea.
Please confirm my message by mail.

Yours sincerely
Viktor v. Heydebrand
 

Als Antwort kommt dann folgende Anweisung:

 

Dear Mr /  Viktor v. Heydebrand

Good day and thanks for your e-mail .
It's a great honour & Pleasure for us to act as your agent in your Suez
canal Transit .

When you are in near from the anchorage area of Port said harbour
please contact Port Said Port Control on VHF channel ( 12 ) and
call us felix Maritime on VHF Channel ( 77 ) .

# please inform us if you need us to arrange these flags to you .
#Please send us a copy of Register & Crew List before the yacht's arrival .
#Please confirm us your ETA 48 & 24 hrs before arrival .

Best Regards ,
Nagib Latif (R)
Felix Maritime Agency
 

Aussprache: „Port Said“ spricht man nicht aus wie „Port seit (anno dunnemals)“, sondern wie „Port sey-id“.

 

Wichtig auch: Alle Bakschisch-Fragen (Lotsen im Kanal etc.) mit Felix abklären und strikt danach handeln !!

 

Während der Fahrt im Kanal ist die Flagge H zu setzen (Lotsenzwang).

 

Klarierung Port Asáb/Eritréa:

 

Flaggen: Nationale, Gastlandsflagge, Flagge Q.

Klarierung ohne Agenten.

Einlaufverbot bei Dunkelheit. Wir befinden uns in einer militärisch aktiven Zone, deshalb sind alle Klarierungspflichten ***exakt*** einzuhalten.

Anmeldung auf Kanal 16 mit „Asáb Port Control“. Meist meldet sich niemand.

Ankern (kostenlos) an der im „Red Sea Pilot“ angegebenen Stelle, im Beiboot mit allen Papieren an Land gehen. Einklarieren direkt im Hafen.

Man erhält einen 3-Tages-Shore-Pass gratis. Er berechtigt zum Landgang für Einkäufe. Will man weiter weg, muß dies vorher ***unbedingt*** den Behörden mitgeteilt werden.

Zur Übernahme von Wasser, Diesel (zuständig ist der Port-Service) an die Pier gehen. Vorher ***unbedingt*** beim Hafenmeister die Erlaubnis dazu einholen.

Für die Weiterfahrt: ***unbedingt*** ausklarieren. Man erhält – ebenfalls gratis - das „Sailing Permit“ für die Weiterfahrt zum darin angegebenen Hafen.

Unmittelbar vor dem Auslaufen den Hafenmeister kontaktieren auf Kanal 16.

 

Klarierung Áden:

 

Flaggen: Nationale, Gastlandsflagge, Flagge Q.

Klarierung ohne Agenten.

Aussprache: „Áden“ und nicht „Eden“.

Einlaufverbot bei Dunkelheit. Einige Meilen vor der Ansteuerungstonne anmelden auf Kanal 16 mit „Áden Port Control“. Vorher die Schiffspapiere bereitlegen. Es werden einige Schiffsdaten abgefragt. Skippern, die noch nie in Aden waren wird ein kleines Lotsenboot zugewiesen, das sie an den Ankerplatz führt (kostenlos). Wie in Asáb ist das Ankern kostenfrei.

Einklarierung verläuft wie in Asáb direkt im Hafen. Es entstehen keine Kosten.

Aber: Es werden Pass-Photos der gesamten Crew verlangt. Am besten mitbringen, sonst gibt es unnötige Kosten und zeitintensive Laufereien.

Campinggas gibt es in Little Aden, die Taxifahrt dahin und zurück kostet 40 US-$, das Gas selbst ist sehr billig. Diese Area ist abgesichertes Gebiet – Betreten aus Sicherheitsgründen verboten. Am besten, man schließt sich mit anderen zusammen und gibt einen Auftrag an den Service-Meister im Hafen.

Dieselübernahme findet an der Tankstelle statt: Einen Tag vorher den Hafenmeister informieren (Kanal 16 oder sonstige) und sein OK einholen. Dann ist garantiert, dass die Tankstelle frei und das Bedienpersonal vor Ort ist.

Wasserübernahme: Den Service-Meister im Hafen verständigen.

 

Ausklarieren erfolgt in derselben Reihenfolge wie das Einklarieren nur mit einem zusätzlichen Schritt: Dies ist der Besuch beim Hafenmeister. Hier erhält man die Freigabe für das „Sailing Permit“ für die Weiterfahrt zum darin angegebenen Hafen. Das Papier selbst erhält man anschließend von den Beamten im Hafen. Der Hafenmeister residiert im hohen weißen Gebäude am breakwater. Der Weg dahin ist zu Fuß beschwerlich. Also Taxi (100 Rial hin und zurück) nehmen.

Unmittelbar vor dem Auslaufen ist wiederum der Hafenmeister zu kontaktieren (Kanal 16 oder andere).

 

Klarierung Victoria/Mahé

 

Flaggen: Nationale, Gastlandsflagge, Flagge Q.

Klarierung ohne Agenten.

Anmeldung auf Kanal 16 mit „Victoria Port Control“ aus etwa 15 Meilen Abstand. Es werden die Schiffsdaten abgefragt und die ETA. Zugleich wird die Empfangspier zugewiesen (im Handelshafen).

Alle Beamten kommen an Bord. Es gibt keine Probleme.

Ein Tipp: Fenster und Luken schließen. Dadurch entsteht im Schiffsinneren eine Bullenhitze. Folge: das Verfahren der Einklarierung beschleunigt sich erheblich. Genügend Wischtücher für die Beamten bereithalten !

 

Thema Sicherheit im Roten Meer und Golf v. Aden:

Außer einer einzigen Begebenheit, wo ich ziemlich nachdrücklich aufgefordert wurde, Trinkwasser an zwei bei Bab al Mandab kreuzende Boote von Einheimischen herauszugeben, blieb ich bisher vollkommen von „P-Attacs“ verschont. Dies gilt für alle weiteren einigermaßen küstenfernen Kurse nach Aden/Yemen oder Djibouti, sowie für die nachfolgenden Kurse auf die Seychellen bzw. Galle/Sri Lanka und weiter nach Thailand.

 

Das Horn von Afrika mit Bab al Mandab (oben)
und Sokotra  (im Osten)


Organisation:

Überführer müssen „Gummi geben“ und können sich nicht an Gruppen binden. Deshalb fuhr ich bisher und fahre auch künftig stets allein. Im Roten Meer laufe ich von Suez kommend lediglich Asáb/Eritea an. Der nächste Hafen ist dann Aden.
Wichtig ist eine ***erfahrene*** Crew. Mindestens 3 Mitglieder sollten einschlägige Erfahrung in diesen Seegebieten haben. Meine Routen verlaufen in der Hauptsache im Dampfertrack. Dies vermindert die Gefahr, mit den Netzen der Küstenfischerei und den notorisch neugierigen Fischern in Konflikt zu kommen.

Schutz über Satellitentelefon und yacht-control:

Dies wird erst interessant im Golf v. Aden östlich von Al Mukhalla. Zwischen Al Mukhalla und dem Oman ***scheint*** es eine graue Zone der Zuständigkeiten zu geben, was den Küstenschutz betrifft. In dieser Gegend war ich aber noch nicht, deshalb fehlen mir hier eigene Erfahrungen.
Für die Fahrt im Golf v. Aden ab Hafen Aden habe ich lediglich eine einzige Tel-Nr. im Sat-Tel. gespeichert:
SEENOTZENTRALE BREMEN: 0049(0)421-536870
Dienlich ist zusätzlich die Tel-Nr. des Flottenkommandos der Bundesmarine, Glücksburg, Tel.: 0049(0)4631 – 666-0. Dort kannst Du veranlassen, dass die jeweils am Horn diensthabende Fregatte Deine Kurse plottet und Dich - aber nur im absoluten Notfall - möglicherweise unterstützen kann. Hier mache ich aber ein großes Fragezeichen, weil die Marine nun mal andere Aufgaben hat, als Segler zu "betreuen".
Eine sehr gute Möglichkeit, den Plot der eigenen Kurse per Internet mitzuteilen bietet der Dienst yacht-control.

Über einen Sender an Bord werden über Satellit die Kurse aufgezeichnet und sind im Internet – unter Passwort - abrufbar und können z.B. von der Bundesmarine stets abgerufen werden.

Link: www.yacht-control.com

 

Waffen an Bord:

Gibt es bei mir nicht. Deshalb keine Erfahrungen vorrätig.


Die Lage am Horn:

Zuständig ist hier Kuala Lumpur, sowie das Auswärtige Amt.

Ein Tipp:
Sokotra im Abstand von 30 sm passieren (Schwerwetter) bzw. im Abstand von 60 sm bei leichten Winden. ***Keinesfalls*** durch die Enge von Abd al Kuri fahren. Also immer außen herum !!

 

Unabdingbar notwendige Literatur:

Der „Red Sea Pilot“,

Die „World cruising routes”.

 

Elektronische Navigation mit C-Map und GPS auf dem PC liefert überall erstaunlich gute Resultate. Anders, wenn GPS-Orte auf Papierkarten eingetragen werden: hier ergeben sich trotz WGS 84-Karten erhebliche Abweichungen. Besonders das Gebiet um Asáb ist betroffen, wo man genaue Positionen braucht.

 

Navtex: Wetterberichte im Roten Meer waren nicht zutreffend. Im Golf v. Aden verbesserte sich die Trefferrate. Korrekte Wetterberichte bekommt man nur von Frachtern.

 

Einige nützliche Links:

www.noonsite.com

http://www.icc-ccs.org/prc/overview.php

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Startseite.html

http://www.yachtpiracy.org/de/links.htm
http://www.reliefweb.int/rw/RWB.NSF/db900LargeMaps/JOPA-6NMBBN?OpenDocument&emid=ACOS-635PL7

http://www.icc-ccs.org/prc/piracyreport.php

 

Hier unten sehen Sie eine Aufzeichnung von yacht-control. Es handelt sich um eine meiner Yachtüberführungen, diesmal Türkei/Seychellen.

Reisedaten: 14.04.07 - 24.05.07; Distanz: 3486 sm.

Die Tracks laufen hier über 24 Stunden, lassen sich aber fast beliebig verringern.
 

 

Ich hoffe, allen Cruisern hiermit ein wenig geholfen zu haben. Wenn Fragen auftauchen, einfach posten an:
 

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Grüße und viel Erfolg

Viktor v. Heydebrand
 

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